Injera mit Doro Wat

Prinzessin Stur und Ungeduldig hatte viele liebenswerte Eigenschaften. Zum einen war sie stur und ungeduldig, zum anderen liess sie sich selten von einem Vorhaben abbringen und folgte unbeirrbar ihrem Weg, sobald sie ihn einmal eingeschlagen hatte.

Und so begab es sich, dass die Prinzessin einige wichtige Edelleute zum Essen geladen und sich in den Kopf gesetzt hatte, diese mit köstlichem Injera zu verwöhnen. Frei von jeglichen Selbstzweifeln ging sie selbstverständlich davon aus, dass das eigensinnige Sauerteigbrot sich ihr schon beugen würde und sie aus der Vielzahl der Rezepturen mit glücklicher Hand sogleich die rechte auswähle.

Es verwunderte denn auch niemanden, dass sie die Ausrufe weiser und landeskundiger Berater und Beraterinnen ignorierte, die – allesamt große Kenner der äthiopischen Küche – ob des tollkühnen Vorhabens aufschrien:

Wieso macht Ihr Injera selbst, Prinzessin? Wir kennen einen guten Kaufmann, der bietet hervorragende Ware feil – da erhaltet Ihr vorzügliche Qualität zu gutem Preise!

Doch die liebenswerte Prinzessin wäre nicht Prinzessin Stur und Ungeduldig gewesen, wenn sie nicht unbeirrt an ihrem Plane festhielte. Die Gäste waren geladen und es widersprach ihrer königlichen Ehre ihnen etwas anderes als ein von ihren eigenen Händen zubereitetes Injera zu reichen.

So startete die Prinzessin alsdann eine Testreihe, auf dass die Verpflegung ihrer Gäste gesichert werde. In ihrer Burgkemenate zog sie verschiedene Teige heran – bald schon sollte sich die königliche Arbeitsplatte von Schüsseln und Schalen schwer beugen. Eine jede ward beschriftet und gekennzeichnet, so dass nachzuvollziehen sei, welcher Teig in welchem Stadium sich darin befinde.

Die engsten Vertrauten der Prinzessin bangten mit ihr. Doch am Abend des vierten Tages, zu später Stunde ertönte endlich der lang ersehnte Jubelschrei. Heureka! Es ward vollbracht!

Der Teig in seiner güldenen Schale blubberte, dass es eine Wonne war. Das Brot in der Pfanne roch aufs Köstlichste und der würzige Geruch von Teff- und Weizenmehl stahl sich in alle Winkel des Schlosses und erfreute so nicht nur die Sinne der Prinzessin.

Das Festmahl konnte beginnen.

Injera mit Doro Wat

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>>> Injera ist ein weich gesäuertes Fladenbrot, das in der Pfanne gedämpft wird. Es wird traditionell mit mehreren Saucen [Wats] gereicht und dient für diese Saucen gleichermaßen als Besteck und Teller. Das traditionelle Injera wird aus Teffmehl hergestellt – heute werden oft Mischungen verschiedener Mehle verwendet, da Teffmehl zum einen teuer und nicht überall zu erhalten ist.

Für das Injera (benötigt einige Tage Vorlauf)

für 12  – 15 Injera, 4 – 5 Personen

Vorteig

  • 45 g Teffmehl
  • 45 g Roggen-Sauerteig
  • 90 ml Wasser
  • 1 Packung Trockenhefe
  • etwas Zucker

Hauptteig

  • 140 g Weizenmehl
  • 70 g Teffmehl
  • 1 TL Zucker, knapp gestrichen
  • etwas Salz
  • 250 ml warmes Wasser, ggfs. weniger oder mehr

Injera - äthiopisches/erytreisches Fladenbrot

Tag 1 Zunächst das Teffmehl in einer ausreichend großen Schüssel mit dem Wasser vermischen, so dass ein sehr flüssiger Teig entsteht, den Sauerteig hinzugeben. Den Vorteig abdecken und 3 Tage zugedeckt bei Zimmertemperatur gären lassen. Der Teig sollte anfangen zu blubbern und Blasen zu werfen.
Tag 3 Am dritten Tag die Trockenhefe unter den Teig rühren, etwas Zucker und 1 Prise Salz unterrühren. Den Teig über Nacht im warmen Zimmer weiter gären lassen.
Tag 4

morgens

Am nächsten Tag soll der Teig weitere Blasen geworfen haben. Nun Weizen- und Teffmehl zu dem Vorteig geben und mit Zugabe von warmen (nicht heißem!) Wasser zu einem glatten Teig rühren. Das Wasser nicht auf einmal sondern nach und nach zu geben. Teig und Wasser mit der Hand zu einem gleichmäßigen Teig verrühren. So lange Wasser hinzugeben, bis der Teig die Konsistenz eines sehr dünnen Pfannkuchenteiges hat. Es ist eine klebrige Angelegenheit, mit den Händen hat man jedoch das beste Gefühl dafür,  wann der Teig eine wirklich gleichmäßige Konsistenz hat  [ich habe eine geöffnete Hand benutzt und diese wie einen Teigschaber immer wieder durch den Teig gezogen].

1 gestrichenen TL Zucker und einige Prisen Salz zum Teig geben. Hier muss man sich heran tasten: Es soll so viel Salz hinzugegeben werden, dass man das Salz noch nicht heraus schmeckt aber gerade den Unterschied zwischen „ungesalzen“ und „gesalzen“ im Teig wahrnehmen kann.

Den Teig wieder bedecken und für einige weitere Stunden bei Zimmertemperatur ruhen lassen.

Tag 4

nachmittags oder abends

Der fertige Teig sollte wieder deutlich blubbern, sich aber nicht wie beispielsweise ein Hefeteig verdoppeln.

Eine Pfanne mit Deckel bereit stellen und vorsichtig erhitzen. Ich habe Stufe 1 von 9genommen. Etwas Öl hineingeben und das überschüssige Öl mit einem Küchentuch entfernen. Eine dünne Schicht – nur wenig dicker als ein Crêpe – in die Pfanne geben und durch Schwenken der Pfanne gut verteilen. Sofort den Deckel auflegen und die Injera mehr dämpfen als backen.

Injera wird nur von einer Seite gebacken und ist dann gut, wenn sich die charakteristischen „Augen“ gebildet haben und sich der Rand leicht nach oben biegt und selbständig von der Pfanne löst.

Die Injera sollten nicht zu fest sein und keine Kruste kriegen. Dafür muß Zeit investiert und mit Öl und Hitze sehr sparsam umgegangen werden. Beim Auskühlen verändert sich die Struktur der Injera nochmals und sie werden etwas weicher.

Sie können kalt zu den verschiedenen Saucen gereicht oder kurz in der Mikrowelle erwärmt werden.

Für das Doro Wat (braucht Zeit, kann gut vorbereitet werden)

Doro Wat - äthiopisches Hähnchengericht

Rezept von A Spicy Perspective

Für 8 Personen

  • 1,5 kg Hähnchenfleisch (ohne Knochen und Haut)
  • 2 große Zwiebeln
  • 3 Zehen Knoblauch
  • 250 g Butter
  • 250 ml Rotwein
  • 440 ml Wasser
  • 2 TL Salz
  • 1 TL Kardamom, gemahlen
  • 2 EL Garam Masala
  • 40 g Paprika, scharf
  • 1 EL Chiliflocken
  • 2 TL Fenchelsamen
  • 1 EL Thymian
  • 140 g Tomatenmark
  • 1 EL Zucker
  • 1 Limette
  • 4 Eier (pro Person 1/2 Ei)

Den Ofen auf 120 ° C vorheizen.

Das Hähnchen in etwa gleichgroße Stücke schneiden. Die Zwiebel und den Knoblauch fein hacken. Kardamom und Fenchelsamen im Mörser zermahlen. Die Thymianblätter ebenfalls fein hacken.

Alle Zutaten (bis auf die Limette) in einen Schmortopf geben und ohne Deckel im Ofen für 4 – 5 Stunden bei 120 ° C garen lassen. Herausnehmen und das Fleisch mit einem Kartoffelstampfer bearbeiten – es zerfällt dann in seine einzelnen Fasern.

Die Limette auspressen und den Saft unter das Doro Wat rühren. Eier kochen und auf dem Doro Wat anrichten.

Injera

Meine wichtigsten Dos
& Don’ts für Injera
Alle Schalen, Löffel und sonstige Gegenstände, die mit dem Injera-Teig in Verbindung geraden sollten so sauber wie irgend möglich sein. Wenn zusätzliche Keime in den gärenden Teig gelangen, feiern die Bakterien eine Party – die hat aber niemand eingeladen. Gut Ding will Weile haben – und Sprichwörter lügen auch dann nicht, wenn es um Injera geht. Die Gärung kann sicherlich beschleunigt werden, mehr Geschmack erhält das Injera, wenn ihm Zeit gegeben wurde. Guten Wein lässt man ja schließlich auch reifen.
Zucker & Salz sind in diesem Rezept Deine besten Freunde, auch wenn sie nur eine kleine RolleMenge haben. Doch: Der Zucker hilft der Hefe, ihre Arbeit zu tun – das Salz hilft dem Teig die richtige Geschmackstiefe [Achtung! – Foodblogger-Un-Wort ;-) ] zu erreichen. Die Pfanne darf nicht zu heiß sein, wenn das Injera knusprig braun auf der Unterseite ist, wurde es zu heiß gebacken. Und auch wenn gilt „wer nicht heiß gebacken wurde, kann auch nicht heiß knuspern“ [frei nach wem-eigentlich-?] – wir wollen das Injera weich und biegsam, damit wir damit möglichst viel von den tollen Saucen aufnehmen können.
Was so viel Zeit benötigt ist ein wahrer Schatz – und echte Schätze schützt man. In diesem Fall mit einem Deckel und zwar von Anfang an. Denn ohne Deckel wird das Injera trocken und rissig und entwickelt nicht die typischen Augen, die den Teffmehl-Crêpe von Injera unterscheiden. Auf keinen Fall zu viel Öl in die Pfanne geben. Das Öl wird heiß und hält die Hitze. Und dann? Dann wird das Injera schon wieder knusprig…
Injera wird mit vielen Saucen gegessen. Je mehr Saucen (desto mehr Arbeit und) drei mal so viel Spaß… … abzuraten ist auch davon, sein Injera ganz allein zu essen. Es schmeckt noch viel besser, wenn die liebsten Menschen mit am Tisch sitzen.

Bei mir gab es außer dem Doro Wat folgende Gerichte zum Injera

Spinatsalat und Doro Wat

Geschmortes Lamm mit Aprikosen

Ayib und Aubergine mit Granatapfel

***aktualisiert am 22.03.2014***

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10 Antworten zu “Injera mit Doro Wat

  1. Hi Natalie,
    wie versprochen habe ich das Rezept für Injera aus meinem alten Kochbuch rausgepickt. Ich bin allerdings ein klitzeklein wenig enttäuscht… es scheint mir nicht ganz soo authentisch wie deines ;) Teffmehl wird nicht verwendet, vermutlich aber deshalb, weil man es hier (insbesondere damals, als das Buch erschien), nur schwierig erhält…

    130 g Maismehl
    200 g Weizenmehl Type 1050
    340 g Mehl Type 550
    1 TL Trockenhefe
    2 EL Fertig-Sauerteig

    Am Vortag wird alles Mehl mit 1l warmem Wasser, Hefe, Sauerteig und 1 TL Salz zusammengerührt und offen an einem warmen Platz 14 Stunden gehen lassen. Beschichtete Pfanne mit Öl leicht auspinseln, 1 1/2 Suppenkelle Teig zugeben, 5-7 Minuten backen, mit Deckel drauf :)

    Ansonsten klingt die Beschreibung der Zubereitung und Konsistenz der Fladen wie von dir beschrieben. Was denkst du?
    Vielleicht wenn man mal keine 4 Tage Zeit zum Vorbereiten hat? ;)

    • Hi Marco,

      stimmt, das liest sich sehr ähnlich und scheint nur ein beschleunigtes Rezept zu sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass es auch funktioniert – zumal einige äthiopische Freunde auch gesagt haben, sie rühren den Teig nur über Nacht an. Allerdings arbeiten die dann mit einem Starter bzw. Rest vom alten Teig.

      Mir ging es so, dass ich den Eindruck hatte mit mehr Zeit (und Teffmehl) schmeckt es auch besser. Mit der Mehlmischung oben bekommst Du wahrscheinlich ein sehr helles Injera, so wie man es oft in den Restaurants sieht. Mir hat die Mischung aus Teff- und Weizenmehl so gut gefallen, weil sie deftiger/erdiger ist – das Brot hat dann noch mal eine eigene Würze, die ich von Weizenmehl nicht kenne. Teffmehl alleine war allerdings zu extrem – wahrscheinlich zu ungewohnt für unseren Geschmack. Teffmehl kann man im übrigen z.B. hier bestellen.

      Ich bin mit einem Rezept gestartet, dass nur Wasser und Teffmehl verwendet. Das fand ich am authentischsten. :-) Leider bin ich mit der angegebenen Gärzeit von 3 Tagen nicht ausgekommen. Und Zeit um einen starken Starter herzustellen hatte ich nicht mehr. Hier kam dann bei mir die Hefe ins Spiel – da ich nur wußte, dass es ordentlich blubbern muß. D.h. mein Rezept ist eigentlich schon die beschleunigte Version :-)

      Ich will die lange Version (nach Rezept 1 und 2 unten) noch ausprobieren. Da mein Gefühl sagt, das sind die authentischsten und durch die Zeit wird wohl auch noch der Geschmack etwas anders sein.

      Hier die meiner Meinung nach besten Links und Rezepte zum Thema

      wie man einen richtig guten Starter macht: http://bit.ly/19BtnxY
      wie man authentisches Injera macht: http://bit.ly/1aqWGPQ
      Injera-Rezept (fast wie meines) mit guten Erläuterungen: http://bit.ly/6I42D

      LG, Natalie

  2. Wow, eine wahrhaft königliche Tafel! Liebe Prinzessin Natalie, ich verneige mich in Ehrfurcht und beneide alle, die an diesem Essen teilnehmen durften :-)

    Also Injera werde ich ganz sicher nicht nachbacken, aber zumindest die Ottolenghi-Aubgerinen haben bei mir auch schon ein Post im Kochbuch ;-)

    Liebe Grüße,
    Jana

    • danke Dir!

      das ist schade mit dem Injera, Du verpasst etwas :)

      das Kochbuch ist super oder? Mach unbedingt auch den Spinatsalat – der hat uns sehr beeindruckt. Und je mehr ich daraus koche, desto mehr möchte ich daraus kochen.

      Hast Du schon Dinge daraus probiert?

      LG, Natalie

      • Ich habe nicht das „Jerusalem“, sondern „Genussvoll vegetarisch“, aber da ist auch ein Auberginen-Granatapfel-Rezept. Leider ist es bisher nur bei „muss ich probieren“-Posts geblieben. Aber das wird sich jetzt ändern, yeah ;-)

  3. Juhuu, da ist er ja, ich habe schon voller Vorfreude auf diesen Post gewartet! Nachdem ich bei Facebook erfahren durfte, dass du dich an Injera versuchst, war ich äusserst gespannt! War wohl eine Zangengeburt ;)

    In einem meiner allerersten Kochbücher, welches ich vor zig Jahren geschenkt erhielt, ist ein Rezept für Injera mit Doro Wat drin! Ich erinnere mich noch gut, dass mich das luftige, blasendurchzogene Brot von Beginn weg völlig begeistert hat und ich das Rezept unbedingt mal ausprobieren wollte… wollte… bis heute war das leider noch nicht der Fall…

    Deine Tafel hier sieht aber absolut köstlich aus und schreit förmlich danach, demnächst mal wieder Besuch zu laden und flessig zu kochen :) Vielleicht gibt’s ja dann endlich mal Injera!

    • Hi Marco,

      hast Du das Kochbuch noch? Mich würde das Injera-Rezept nämlich sehr interessieren…

      Ich bin total verunsichert gewesen, ob der Menge der verfügbaren unterschiedlichen Rezepte mit Variation von 1 bis 24 Tage Zubereitungszeit sowie 2 bis x Zutaten. Inzwischen denke ich lange Zubereitungszeiten sind diejenigen die richtig sind – und die weniger Zutaten brauchen. Aber es interessant, auf wie viele verschiedene Arten man hier wohl zum Ziel kommen kann.

      Daher war es wirklich nicht ganz ohne. Wenn Du Injera machst, habe ich 2 Anregungen

      1. unbedingt ausreichend vorher eine Probe machen

      2. wann soll ich wann und wo sein? ;-)

      Liebe Grüße,
      Natalie

      • Haha, wenn du mal wieder nach Zürich kommst, dann steht sowieso ’ne gemeinsame Kochsession an :) Verena sollten wir dann auch gleich einladen!

        Das Buch habe ich noch, war schliesslich mein erstes Kochbuch ;) Ich würde aber kein Gewähr für das Rezept übernehmen, das Buch ist gegenüber heutigen Kochbücher ziemlich schlicht und „plump“… werde aber heute Abend mal das Rezept nachschlagen und dir dann Bescheid geben! Bin gerade selber ziemlich gespannt ;)

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