5 Zeichen, dass ich alt werde. Und Ihr so? [Hähnchenschenkel mit Tamarinde und gedämpften Reis]

Einen Tag nach meinem letzten Geburtstag wollte ich in einer kleinen Drogerie eine neue Creme kaufen. Ich griff zu einer Dose und die erschrockene Verkäuferin rannte auf mich zu: „Nein!! Die ist erst für die Haut ab 30!“ Ich war gerade 33 geworden.

Vor ein paar Tagen unterhielt ich mich zu Hause darüber, wie sich mein Kochen und mein Essen verändert hat, in den letzten – sagen wir: 10 Jahren. Ich bewundere all die Anfang-Mitte-20-jährigen Foodblogger, die immer wieder Kreationen in die Welt hinaus schicken, die mich ins Staunen bringen. Bei mir liegen zwischen dem Kochen mit 20+ und dem Kochen mit 30+ Welten. Vielleicht bin ich ein kulinarischer Spätentwickler? Wie hat sich das bei Euch verändert?

Hier 5 weitere untrügerische Zeichen, dass ich mich endlich entwickelt habe langsam alt werde:

  1. Wenn Wohlfühl-Faktor, Warmhalt-Faktor und Langlebigkeits-Faktor nicht gegeben sind, werden stylish und macht-n-super-Hintern zu untergeordneten Kleidungs-Bewertungs-Kategorien.
  2. Ich lasse zu, dass saisonale Dekoration Einzug in meine heiligen, dekorations-freien 4 Burgwände erhält. Noch schlimmer: ich schnitze im Herbst Kürbisse.
  3. Mein Verhältnis zu Fertigpizza und Tiefkühllasagne hat sich grundlegend geändert. [Bedarf keiner weiteren Worte]
  4. Meine Oma hat es früher immer gepredigt. Ich hab mich als ordentlicher Teenager gegen die starren Ansichten natürlich aufgelehnt. Ich erzähle ihr heute aber nicht, dass ich inzwischen alles immer gleich wieder an seinen Platz räume – weil man dann nicht dauernd Monster-Aufräum-Aktionen oder Indoor-(Klamotten)Berg-Festivals veranstalten muß.
  5. Nach einem Abend im Sterne-Restaurant, schreibe ich meiner Freundin eine SMS: „Schön, dass wir mal wieder aus waren!“ Sie antwortet: „Aus waren – das hieß früher, dass wir bei Sonnenaufgang erschöpft in die Kissen fielen.“

Ach und meine Hähnchenschenkel esse ich am liebsten mit der Hand. Aber das war schon immer so.

Hähnchenschenkel mit Tamarinde und gedämpften Reis

Reis aus dem Bambusdämpfer, Hähnchen mit Tamarinden-Marinade

ea-sy Asia-Soulfood für 2

für die Hähnchenflügel

  • 400 – 500 g Hähnchenunterschenkel
  • 30 g Tamarindenpaste
  • 10 g Ingwer
  • 5 getrocknete Tomaten
  • 2 EL Agavensirup (alternativ: Honig)
  • 2 EL Sesamöl
  • 2 EL Tamarisauce (alternativ: Sojasauce)
  • 1 – 2 Msp. Cayennepfeffer

für den Reis

  • Reis
  • Bambusdämpfer
  • Bananenblatt, Tuch oder Küchenpapier
  • großer Topf mit Deckel
  • Wasser
  • nach Geschmack: Gewürze, Gewürzblüten, Furikake oder anderes Topping

Für die Hähnchenschenkel

Hähnchenschenkel mit gebratenen Plantenen und Reis

zunächst den Ofen auf 180° C vorheizen.

Währenddessen die Marinade vorbereiten. Dafür den Ingwer schälen und grob hacken, ebenso die getrockneten Tomaten. Zusammen mit den übrigen Zutaten in den Mixer geben und zu einer Paste verarbeiten. Diese wird leider erst einmal ziemlich braun und unansehnlich. Davon darf man sich aber nicht abschrecken lassen.

Die Hähnchenunterschenkel kalt abbrausen und trocken tupfen. Sorgfältig mit der Tamarindenpaste einreiben. Die Marinade klebt durch den Agavensirup nicht ganz so gut, wie man das von Honig kennt. Einfach ein bißchen Geduld und Phantasie mitbringen – und ggfs. den Rest Marinade auftragen, wenn die Hähnchen schon auf dem Blech liegen.

Ein Backblech mit Alufolie auskleiden und die Hähnchenteile darauf geben. Die restliche Marinade darauf verteilen und für 15 – 20 Minuten in das untere Drittel des vorgeheizten Ofens geben. Die Hähnchenschenkel sind gar, wenn man mit einer Gabel reinsticht und der austretende Saft klar bleibt. Zum Schluss die Schenkel von jeder Seite für 2 – 3 Minuten unter den Grill geben. Dabei aufpassen, dass aus den Röstaromen kein Kohlenstaub wird.

Den Reis

zunächst in eine Schüssel oder den Topf geben, mit kaltem Wasser auffüllen und zwei mal waschen. Wer die Kochzeit verringern möchte kann dies auch schon am Vorabend machen und den Reis dann über Nacht einweichen.

Den Bambusdämpfer mit einem Bananenblatt, Tuch oder Küchenpapier (ersteres ist super-fancy – letzteres hatte ich gerade zur Hand) auslegen und schließlich den Reis hineingeben. Wer den extra-Klebreis-Dämpfer benutzt, kann sich diesen Schritt natürlich sparen. Mit dem Bambusdeckel schließen.

Den Bambusdämpfer in einen Topf setzen und so viel Wasser wie möglich einfüllen – ohne dass dieses so hoch steigt, dass die Reiskörner nass werden. Das Wasser zum Kochen bringen und den Reis in ca. 30 Minuten gar-dämpfen. Bei mir funktionierte das am besten, wenn ich den Topf auch mit einem Deckel verschlossen hab. Zwischendurch den Reis wenden, damit er gleichmäßig gart. Sonst bleiben die Reiskörner, die oben liegen hart. Ab und zu kontrollieren, ob noch genügend Wasser im Topf ist.

Das hübsche Kennenlernpaket mit Basmati- und Jasminreis, Vollkornreis sowie je einer Fertigmischung für Risotto und Minestrone bekam ich im Übrigen von Reishunger, [Zitat:] „einem jungen Bremer Unternehmen, bei dem sich alles rund um das Reiskorn dreht.“

Nachsätze und Links

  1. Das Paket von Reishunger habe ich kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Bei Jasmin- und Basmatireis kann mein Asia-Shop um die Ecke alle Mal mithalten – wenn es denn aber wirklich eine Fertigmischung für Risotto sein soll, dann würde ich wohl eine von Reishunger wählen – nicht wegen der Zeitersparnis oder des Schwierigkeitsfaktors sondern mehr so als Vorrats-Fertigessen, der hochwertigen Art. Beeindruckt hat mich allerdings der Naturreis – an dem kann ich mich gar nicht satt essen.
  2. Ich habe den Reis nicht im dafür vorgesehenen  Klebreis-Kocher sondern in einem normalen Bambusdämpfer, wie er auch für Dim Sum verwendet wird, gedämpft. Warum? Weil ich mir ein zusätzliches Küchenaccessoire sparen wollte. Wie es im richtigen Klebreis-Dämpfer geht, ist hier bei Reishunger beschrieben. Wer einen neuen Bambuskorb benutzt, muß ihn 15 – 30 Minuten in Wasser einweichen, um das starke Eigenaroma zu vermindern.
  3. Damit die Party komplett wurde, gesellten sich bei mir wahlweise ein leichtes Gemüsecurry und auch gebratene Plantenen dazu.
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15 Antworten zu “5 Zeichen, dass ich alt werde. Und Ihr so? [Hähnchenschenkel mit Tamarinde und gedämpften Reis]

  1. P.S.: WordPress hat schon wieder irgendein Problem und erkennt mein Profil trotz aktiver Einloggung nicht. Grrrr.

  2. Vollste Unterstützung für Punkte 1,3 und 4. Bei Punkt 2 und 5 bin ich noch nicht restlos angelangt, aber ich steuere klar darauf hin. (Narzissen als Tischdeko vor Ostern…. Um halb drei total müde als erste aus dem Club marschieren…)
    Danke für die gute Unterhaltung, ich liebe deinen Schreibstil einfach nach wie vor! :)
    Liebe Grüße, Verena
    P.S.: Du kennst die Prozedur bereits: Mach Dich schonmal gefasst auf das nächste Kommentar-Bombardement. Ich habe seit letzten November ja einiges nachzuholen. Hihi.

    • jaja, wenn Dich erst mal die Narzissen um den Finger gewickelt haben, dann ist es nicht mehr weit bis zum ersten Ostereier-Dremel-Bastel-Projekt. Glaub mir – ich sprech aus Erfahrung ;-)

      liebe Verena, ich freue mich über jede Kommentarbombe und stehe schon in den Startlöchern entsprechende Aktionen auf Deinem Blog zu veranstalten. Wieg Dich da nicht in Sicherheit ;-)

      so schön, dass Du wieder da bist

    • hmmmm!! Rahmspinat mit Kartoffeln und dazu ein pochiertes Ei. Das würde mir auch gefallen. Früher mussten es ja Fischstäbchen dazu sein :)

      ich mag beides – sowohl das einfache Essen aber auch das tüfteln und mal n Tag in der Küche stehen.

  3. das sieht sehr lecker aus und die reispakete sind natürlich eine tolle idee.

    zur veränderung im küchenhimmel – ich denke, es hat damit zu tun wie man sich selbst mit dem kochen beschöftigt und auch mit trends – mehr und mehr leute achten auf ihr essen mehr als noch vor ein paar jahren und daher wächst auch die experimentierfreude (+ natürlich den möglichkeiten auch im supermarkt mittlerweile tolle und nicht alltägliche dinge zu erhalten)

  4. Ach, das sind keine Zeichen des Alters , sondern nur schlaue Anpassung an neue Gegebenheiten. Ich möchte mir ja nicht vorstellen, wie ich heute aussehen würde, wenn ich meinen Anfang-20er-Lebensstil beibehalten hätte: nix als Pizza & Pasta (aber die wenigstens vom Italiener um die Ecke) und jahrelang durchtanzte Tänze als einziger Sport ;-) Mal ganz abgesehen davon, dass das irgendwann langweilig geworden wäre.

    Und überhaupt, was redest du mit 33 vom Alter, hä???

    • oh ja! Da hast Du so Recht!

      ich darf das – also vom Alter reden! Ich hätte eingangs noch darauf hinweisen sollen, dass wohl jedes Alter mal seine „huch, ich werd alt“-Phase hat. Erinnerst Du Dich? Die gabs mit 17, mit 25… die gibt’s bestimmt auch noch mit 72 ;-)

  5. Och, ich würde das noch nicht mal als „alt“ oder „älter werden“ bezeichnen. Jedes Alter bringt halt Dinge mit sich, die sich zu diesem Zeitpunkt richtig anfühlen. So lange das gegeben ist, ist doch alles fine :-) Und nicht alles, was ich mit Anfang 20 gemacht habe, war so toll… ich glaube rückblickend verklärt man da auch einiges :-)

    • ich sehe das auch eher Augen-zwinkernd als dramatisch…

      das mit 20 nicht alles toll war – das kann ich sofort unterschreiben. und nachdem man sich mit 20 ausgetobt hat, kann man jetzt auch genießen, was man gelernt hat :-)

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