Ein ungeplantes Überaschungsei: Safran-Mandel-Küchlein mit weißer Schokolade und Johannisbeer-Füllung

Ich war schon immer ein ganz großer Planer. Ich mache hervorragende Pläne: für das Jahr, für die Woche und für einzelne Tage. Ich habe fast immer eine todo-Liste für die aktuelle Woche und muss mir aufschreiben, was ich morgen tun will. Wer jetzt denkt: „Halt, das sind doch nicht die Qualitäten einer Super-Planerin – eher die von einer, die auszog ihr Sieb im Kopf zu überlisten!“ Weit gefehlt: ich habe einfach Spaß am Planen.

Das Schönste an meinen Plänen aber ist, dass mir immer wieder etwas dazwischen kommt. Und zwar das Leben.

Für Ostern hatte ich dieses Jahr geplant, auf jeden Fall Spitzen-Eier zu machen. Ich habe mir sogar einen Dremel gekauft! Ach, oder diese Ostereier-Blumenvasen. Wenn die Zeit gar nicht reicht, dann wenigstens welche mit den wunderschönen Komplimenten drauf. Was ich auf keinen Fall geplant‎ hatte, war, dass zwischendurch das Leben über mich hereinbricht und die Vorstellung der Bastel-Ergebnisse mich zwar immer noch in Verzückung versetzt – der Weg dahin jedoch weit weniger.

Auch geplant hatte ich auf jeden Fall, dass ich auf keinen Fall Ostereier-Kuchen backe. Ich habe sie hier und hier bestaunt. Und ich hatte befunden: das mache ich nicht, das können andere besser.*
 
Der weitere Plan für mein Offline-Nicht-Foodblog-Leben, der sah im Übrigen vor, dass ich so beschäftigt bin, dass ich frühestens Ostersonntag einen Osterpost posten kann. Dafür hatte ich geplant Gras in Eierschalen zu ziehen und dann die 4 hauseigenen Gemüsevernichter dazwischen zu setzen. Aus Foodblogger-Sicht ein Quasi-Still-Leben, weil kein Essen abgelichtet wird ;-) .
 
Das habe ich also alles hervorragend geplant! Deswegen…
  • habe ich auch vergessen, das Gras rechtzeitig auszusähen.
  • Statt dessen kommt hier und jetzt mein Osterpost – quasi eine Woche zu früh
  • und zwar mit Gebäck, das sich doch noch wunderbar in die Ostereier-Kuchen-in-der-Eierschale-Reihe einreiht.

Safran-Mandel-Küchlein mit weißer Schokolade und Johannisbeer-Füllung, im Ei gebacken

Ostereier

Eine kleine Oster-Überraschung: Safran-Mandel-Küchlein mit weißer Schokolade

>>> Rezept als PDF: Safran-Mandel-Schoko-Küchlein

für die „Backformen“ – müssen vorbereitet werden

  • Eier
  • 100 g Salz
  • 1 l Wasser
  • Schaschlik-Spieß, Nadel

für die Küchlein Teigmenge ausreichend für 8 Eier (Größe M) plus 6 Küchlein im Glas (Weck-Glas, 80 ml)

  • 30 g gemahlene Mandeln
  • 150 g Puderzucker
  • 140 g Mehl (Typ 405)
  • 200 g weiße Schokolade
  • 115 g Ei (ca. 3 Eier, Größe M)
  • 1 TL Vanille-Essenz
  • 30 ml Amaretto
  • 1 Prise Backpulver – falls die Küchlein nicht im Ei gebacken werden: 1/2 TL
  • 1 Prise Salz
  • 1 großzügige Msp. Kardamom, gemahlen
  • 1 Prise Safran
  • gemahlene, getrocknete Zitronenschale oder Abrieb 1/2 Zitrone
  • 20 Körner grüner Pfeffer
  • Johannisbeergelee
  • neutrales Pflanzenöl
  • Ausrüstung: Muffinform, Alufolie oder Hülsenfrüchte zum Blindbacken, 2 Spritzbeutel

Eierschalen, fertig zum Befüllen - ob nun mit Brownie- oder anderem Kuchenteig

Zunächst die Eierschalen-Backformen vorbereiten.

Dafür in die Eier an der dicken Seite mit einer Nadel vorsichtig ein Loch bohren. Ich habe dann einen Schaschlik-Spieß genommen und das Loch vorsichtig vergrößert. Ihr braucht ein Loch mit etwa 1/2 cm Durchmesser. Dann mit dem Spieß Eigelb und Eiweiß im Ei etwas verrühren und alles in eine Schüssel hinaus schütteln. Ich habe meine Eier getrennt in kleine Tuppergefäße geschüttelt – so mußte ich nicht eine Riesen-Portion-Rührei essen, sondern konnte sie auch zum backen verwenden.

Dann eine Salzlösung vorbereiten. Dafür 100 g Salz in 1 Liter Wasser auflösen und in eine Schüssel geben. Die Eier darein legen und darauf achten, dass sie sich alle mit der Salzlösung füllen. 30 Minuten darin baden lassen, dann ausspülen und die Eier trocknen lassen. Wer das Trocknen beschleunigen will, lässt das den Ofen übernehmen: 20 Minuten bei 100 ° Grad und alles ist gut.

... und zwischen all dem süßen Teig, ein Klecks saures Johannisbeerglee

Für die Küchlein

die Schokolade grob hacken und über einem Wasserbad bei kleiner Hitze vorsichtig schmelzen.

Safran mit etwas groben Salz und den Pfefferkörnern im Mörser fein mahlen. Ein paar Tropfen heißes Wasser zugeben und anziehen lassen. Mehl mit Mandeln, Backpulver, gemahlenen Kardamom, grünem Pfeffer und Zitronenabrieb mischen.

Dann die Eier dick-cremig und weiß aufschlagen. Das erfordert ein wenig Geduld, wenn man es von Hand macht für etwa 8- 10 Minuten – mit dem entsprechenden Küchengerät geht es schneller. Den Zucker in die Eimasse rieseln lassen und vorsichtig unterrühren. Den Safran, den Amaretto und das Vanilleextrakt ebenfalls unterziehen. Dann die Mehlmischung unterheben. Zum Schluss die etwas abgekühlte, geschmolzene Schokolade unterziehen.

Nun in die Eierschalen-Backformen etwas Pflanzenöl geben und diese hin und her schwenken, so dass die Schalen von innen gut gefettet sind. Die Eier auch von außen gut fetten – das hilft später dabei „herausgebackenen“ Teig problemlos entfernen zu können. Überschüssiges Öl austropfen lassen. Damit die Eier gut in der Muffinform sitzen, in jede Mulde unten mit Alufolie ein Nest für die Eier bauen. Alternativ kann man die Mulden auch mit Hülsenfrüchten o.ä. füllen – ich habe ein großes Roggen, den ich immer wieder zum Blindbacken benutze und habe die Mulden damit gefüllt. Die einzelnen Eier mit der Öffnung nach oben dort hinein setzen.

Den Ofen auf 150 ° C vorheizen.

Jedes Ei mit Hilfe eines Spritzbeutels zu knapp 1/3 mit Teig füllen. Das Johannisbeer-Gelee in einen zweiten Spritzbeutel geben und in die Eier füllen. Obenauf wieder von dem Teig geben. Die Eier zu etwas mehr als 3/4 voll machen; Gläser nur zu 1/2.

Eier bei 150 ° C für 40 – 45 Minuten backen.

Wenn beim Backen der Teig übermütig wurde und aus dem Ei herausgequollen ist, einfach vorsichtig entfernen und die Eier mit einem feuchten Küchentuch putzen. Ist der Teig außen zu festgebacken, kann man ihn auch ganz vorsichtig mit einem Messer abkratzen.

 Davon bleiben keine Reste: Saftiger Mandelkuchen mit Safrannote

 Nachsätze und Links

  • Die Idee, Dinge als Backform zu entfremden, die sonst eher selten dafür herhalten – wie diese Eierschalen-Backformen – gefällt mir übrigens richtig gut. Ob ich es nochmal (Foodblogger-Deutsch für: regelmäßig oder sehr oft) machen würde, bezweifele ich allerdings. Es ist schon eine riesen Sauerei Arbeit.
  • Dennoch liegt die Versuchung nahe, daraus eine Foodblogger-Obsession werden zu lassen – und dabei ist Brot aus dem Blumentopf nur der erste Gedanke. Dicht gefolgt von wachsweichen Kuchen-Eiern, die in der Eierschale gebacken wurden. Ich denke da an Fondant au Chocolat bei dem das *äääh* Eigelb noch flüssig ist. Oder Walnuss-Küchlein, die in der halben Schalen gebacken und dann mit Zuckerguss wieder verschlossen werden.
  • * Andere: wie in andere, die geduldiger als ich sind. Wie in andere, die besser mit dem Spritzbeutel umgehen können als ich. Wie in andere, die dabei die Küche nicht mit Mehl, Mandeln, Marmelade und Teigmasse verzieren.

 

 

 

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11 Antworten zu “Ein ungeplantes Überaschungsei: Safran-Mandel-Küchlein mit weißer Schokolade und Johannisbeer-Füllung

  1. Haha, als hätten wir uns abgesprochen mit den Planungsberichten. Eins ist klar, Pläne sind dazu da, umgeworfen zu werfen, oder? Ich plane wahrscheinlich nur deshalb so gerne, weil ich dann schonmal alle Möglichkeiten im Kopf durchgegangen bin und mich guten Gewissens für eine ganz andere entscheiden kann.
    Zu deinen Überraschungseiern kann ich nur sagen, Da bekommt österliches Eiersuchen gleich ganz neue Dimensionen, wenn man den Osterkuchen wiederum im Ei versteckt. Ich bin beeindruckt! Und ich finde so eine mit Mehl, Mandeln, Marmelade und Teigmasse verzierte Küche eigentlich ganz sexy. ;)))

    • das ist eine schöne Sichtweise, dass man dadurch alle Möglichkeiten schon mal durchgegangen ist. die werde ich mir gleich mal aneignen :)

      Dir auch fabelhaftestes Ostern und schöne freie Tage.

      ach – und gut zu wissen, dass Du das sexy findest: nächstes Mal lad ich Dich zum Küche putzen ein. ich back Dir auch n Kuchen vorher ;-))

  2. Pingback: Handliche Osterklassiker: Mini-Möhren-Gugl | seasonette·

  3. Hööölllle, was sich die Leute alles so einfallen lassen: Spitzen-Eier, Eier mit perfektem Guckloch und jetzt auch noch Kuchen-Eier!!

    Und dir, liebe Natialie, verleihe ich hiermit heute endgültig den langverdienten Titel „Miss Kitchen-Extravaganza“ … es reicht ja nicht, Küchlein im Glas im Glas zu backen, nein es müssen Kuchen im Ei sein. Wieso hast du eigentlich sowas großes wie Hühnereier genommen? Es gibt ja auch Wachteleierchen ;-)

    Ich bin jedenfalls sehr beeindruckt, aber falls wir jemals zusammen in einer Küche tätig werden: Bitte keine Im-Ei-Kuchen, so tüddelige Kleinstarbeit ist definitiv nicht mein Ding!!!!

    Deshalb ist es fein, dass du auch gleich eine Glas-Kuchen-Alternative mitlieferst. Das Rezept (vom Eier-Tam-Tam mal abgesehen) liest sich nämlich höchst interessant :-)

    Liebe Grüße
    Jana

    • aber die Spitzeneier sind schon schön, oder? ich hab mich ein bißchen in sie verliebt – und vielleicht mache ich die einfach zu Weihnachten… quasi als Christbaumkugeln und dann in rot-glänzend lackiert… *ach, wenn ich bloß mehr Zeit hätte*

      ansonsten trifft es „Eier-Tam-Tam“ ganz hervorragend. ich habe auch ordentlich geflucht. vor allem beim anschließenden Küche putzen. :)

      und der Kuchen schmeckt tatsächlich auch ganz hervorragend ohne die Eierschale drum-rum. Wobei er durch die Schokolade schon ganz schön süß ist und ich es daher gerade toll fand, dass die Portion nicht so riesig war. Aber wenn er mir eine Spur zu süß war, dürfte es für Dich eigentlich passen. na, wenn Du es nachbäckst, bin ich gespannt, wie es Dir schmeckt.

      und wenn wir zusammen kochen, müssen wir doch sowieso etwas kochen was super einfach ist und dann auf der Zunge eine Geschmacksbombe. Schließlich brauchen wir Zeit zum quatschen ;-)

      liebe Grüße zurück,
      Natalie

      • Hi, hi recht hast du mit dem einfach-bombigen Essen:-)

        Die Spitzeneier sind tatsächlich wunderhübsch, aber deren Herstellung würde ich lieber outsourcen. Es gibt ja so Leute, die wahnsinnig viel Spaß an filigraner Kleinstarbeit haben. Ich gehöre nicht dazu ;-)

        Wenn dein Eier-Kuchen ein wenig mächtig ist, macht das nichts – bei der kleinen Größe ist das schon ok. Ich stehe auf so Kuchen-Dessert-Crossover. Das ist mir allemal lieber als ein großes Stück trockener, fettarmer, zuckereduzierter Gesundheitskuchen, hu ;-)

        Liebe Grüße
        Jana

  4. Ei, ei, ei, du machst ja Sachen! I’m impressed! :) Ich habe mir das Bild angeschaut und gedacht: „Wow! Das muss ja wahnsinnig aufwändig und kompliziert sein!“. Soo schlimm scheint’s aber gar nicht zu sein, allerdings braucht man wohl doch ein bisschen Fingerspitzengefühl und genügend Geduld ;)

    Mein zweiter Gedanke war, ob man das wohl mit einem Straussenei ausprobieren könnte. Ich habe nämlich gestern einen interessanten Bericht über Strausseneier gelesen und gleich eine entsprechende Bezugsquelle gefunden. Fehlen mir nur noch die 10 Personen, die man mit dem entsprechenden Omelett sattkriegen kann ;)

    • Da mußte ich jetzt aber echt schmunzeln. Den Kommentar mit „ei, ei, ei“ einzuleiten passt ja nun hervorragend…

      im Straußenei! Marco, Du hast die besten Ideen. Vor allem da reicht ja auch ein „Eier-Kuchen“ für alle.

      Ja, Geduld ist hier das Stichwort. Gut, Fingerspitzengefühl auch. Falls man da aber ein Manko hat, kann man das mit Geduld ausgleichen. Hat man bei Geduld ein Manko… naja ;-)

      liebe Grüße,
      Natalie

  5. ich finde diese eierschalenidee total genial! wie klasse das wohl aussehen muss mit krass buntem teig.. scheiß auf farbe außen.. oder wenn man die eier erst färbt in kaltfarbe und dann die bunten eier als form nimmt.. das könnte man doch bis unendliche treiben :D

    • … und dann jedes Ei ne andere Farbe. *wenn-mein-Tag-48-Stunden-hätt* ;-)

      … dann könnte man auch jedes fertig gebackene Ei noch mit Servietten-Technik verzieren. Da verschwindet auch das Loch vom Befüllen wieder.

      … oder man legt wie in ausgeblasene Eier die Streichhölzer, hier Zahnstocher o.ä. rein. Dann kann man die Eier später an den Osterstrauch hängen. und kann dann wie früher den Weihnachtsbaum eben den Osterstrauch plündern.

      … oder oder oder :)

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